CDU-Kampagne ohne Substanz

Veröffentlicht am 04.03.2013 in Landtagsfraktion

Rainer Hinderer: "Die Realschulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern sehr gute Per-spektiven. Sie werden noch lange Jahre ein fester Bestandteil der Schullandschaft in Baden-Württemberg bleiben"

Der CDU-Landtagsfraktion gehe es bei ihrer Kampagne "Wir kämpfen für unsere Realschule" lediglich darum, Ängste zu schüren, sagt der Heilbronner SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Hinderer. "Die Realschulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern sehr gute Perspektiven. Sie werden noch lange Jahre ein fester Bestandteil der Schullandschaft in Baden-Württemberg bleiben", unterstrich der Sozialdemokrat kürzlich bei einem Treffen mit Vertretern der GEW aus dem Schulamtsbezirk Heilbronn. Behauptungen, die Landesregierung wolle die Realschulen abschaffen, seien absolut falsch und sorgten lediglich für Verunsicherung unter den Eltern. Der neue Kultusminister stellt dazu klar: "Die Weiterentwicklung zur Gemeinschaftsschule ist ein freiwilliges Angebot. Dazu gibt es keinerlei Verpflichtung“, so Andreas Stoch. Während das Kultusministerium Lösungen erarbeite, um Schulen trotz des Rückgangs der Schülerzahl eine Perspektive zu geben, bleibe die CDU bei ihren überholten Antworten. Selbst die Bundes-CDU sei ihr voraus. "Die Bildungspolitik der Landes-CDU erschöpft sich darin, das dreigliedrige Schulsystem zu verteidigen, während sie die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen vollkommen ignoriert." macht Hinderer deutlich. Er prognostiziert, dass sich mittelfristig eine Zweigliedrigkeit des Schulsystems mit Gemeinschaftsschulen und Gymnasien im Rahmen der regionalen Schulentwicklung herauskristallisiert.

Der Kultusminister habe schon vor Wochen verkündet, alle Schularten müssten sich angesichts der neuen Herausforderungen stärker mit der individuellen Förderung beschäftigen, erklärt Hinderer. Dies sei gerade auch mit Blick auf die Realschulen geboten, da dort die Heterogenität der Schülerin-nen und Schüler besonders stark ausgeprägt sei. Der Abgeordnete wies die Behauptung der CDU zurück, für die Realschulen würden keinerlei "Anreize" geschaffen. Vielmehr seien die Realschulen im laufenden Schuljahr erstmals überhaupt mit einem Pool von 1,5 Lehrerwochenstunden für die individuelle Förderung ausgestattet worden. Für das kommende Schuljahr sei zusätzlich geplant, den Realschulen für die achten Klassen im Rahmen der Kompetenzanalyse weitere zwei Wochenstunden zur individuellen Förderung zur Verfügung zu stellen. Demgegenüber habe die CDU in ihrer Regierungszeit die Realschulen allein gelassen und keine weiteren Ressourcen zugewiesen. "Die Tatsache, dass es sich bei der Realschule um eine 'Schule des sozialen Aufstiegs' handelt, ist unbestritten. Seltsam ist nur, dass die CDU erst jetzt zu dieser Erkenntnis gekommen ist", befand der Sozialdemokrat.

Zudem warb Hinderer dafür, einzelne Schularten künftig nicht gegeneinander auszuspielen: "Ent-scheidend ist nicht der Weg. Entscheidend ist nicht die Struktur. Entscheidend ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler den jeweils bestmöglichen Bildungsabschluss erreichen kann." Der ständige Protest der CDU-Abgeordneten gegen Gemeinschaftsschulen sei deshalb fehl am Platze. Viele Kommunalpolitiker der Partei hätten demgegenüber längst bemerkt, welche Vorteile die neue Schulart biete.

Hinderer spricht sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulverwaltung und Kommu-nalpolitik aus: "Die Kommunalpolitiker, die die Verhältnisse vor Ort am besten kennen, sollten sich überlegen, wie sich ihre Schullandschaft entwickelt – und wie vor Ort eine möglichst große Vielfalt an Bildungsabschlüssen angeboten werden kann.“