Es braucht eine Ausbildungsgarantie im Februar

Veröffentlicht am 27.11.2020 in Aktuelles

Politik in Corona-Zeiten - natürlich mit Abstand und Livestream am 25.11. im Willy-Brandt-Haus HN. Unser SPD Landtagsabgeordnete Rainer Hinderer mit Jürgen Czupalla (Agentur für Arbeit), Katharina Kaupp (ver.di) und Reiner Knödler (Aufbaugilde) im Austausch zur Lage des Arbeitsmarktes in der Region. Moderation der Diskussion "Corona - Arbeitsmarkt unter Druck" Guido Rebstock (Innovationsregion e.V.).

Zu den Fakten: 12,5 Tsd. arbeitslos gemeldete Menschen, ein Drittel mehr im Vergleich zum Vorjahr und 50 Prozent weniger gemeldete Stellen als vor Corona-Zeiten. Allerdings, macht der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Czupalla deutlich, freie Stellen gibt es im Sozialbereich, im Bereich Bildung und Erziehung, im Bereich IT. Das Instrument der Kurzarbeit habe eine deutlich höhere Arbeitslosenquote verhindert, sichere nicht nur den Arbeitsnehmern die Arbeit, sondern auch den Arbeitgebern ihre Arbeitskräfte für die Zukunft - nach Corona. Für Jugendliche bestätigen Czuballa und Hinderer einen zweiten Ausbildungsstart im Februar auf der Grundlage von Bündnis für Ausbildung in BW, um v.a. sozial benachteiligten Jugendlichen persönliche Betreuung auf dem Weg zum  Arbeitsplatz anzubieten. Es dürfe kein Corona-Jahrgang entstehen! Im durch Corona beschleunigten Transformationsprozess müssten Qualifizierung und Weiterbildung  als Chance begriffen und besonders bildungsferne Jugendliche angesprochen werden. Da waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig: 30-40 % der Jugendlichen seien über digitale Wege nicht erreichbar - in der Krise fehlten Messen, Gruppenveranstaltungen, persönliche Begegnungen - eine Ausbildungsplatzgarantie sei umso wichtiger - eine Entwicklung hin zu sozialen und Pflegeberufen, weg von produzierenden und technischen Berufsfeldern werde beobachtet - Corona beschleunige den Transformationsprozess in der Region: wichtig sei Qualifizieren - während Beschäftigungszeiten und auch während Phasen von Arbeitslosigkeit.

Katharina Knaupp bekräftigt die Wirkung des Kurzarbeitergeldes und fordert Nachbesserung für Kulturschaffende und Soloselbstständige. Reiner Knödler sieht Fortbildungsbedarf im IT-Bereich und will als Geschäftsführer der Aufbaugilde coronasichere Beratungsstellen anbieten bis hin zu Gesprächsspaziergängen "Walk and Talk" - gerade um bildungsferne Menschen mitzunehmen und in der Krise nicht zu verlieren. Die Jobcenter müssten Präsenzzeiten anbieten für die Zielgruppe, die über digitale Wege nicht zu erreichen ist. Probleme sieht die Bezirksgeschäftsführerin von ver.di bei den 450 €-Kräften, die sich nicht arbeitslos gemeldet haben, ihren Minijob brauchten, um über die Runden zu kommen und jetzt leer ausgingen. Rainer Hinderer bestätigt, dass gerade die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse wegen der fehlenden Pflicht, sozialversichert zu sein, in dieser Krise nicht wahrgenommen würden, und hofft darauf, dass wenigstens ein Teil dieser Minijobs durch andere Aushilfstätigkeiten in Coronazeiten aufgefangen werden können. Zur Frage der Situation von Langzeitarbeitslosen in Corona-Zeiten bedauert Reiner Knödler, dass nur Menschen gefördert werden können, die länger als sechs Jahre arbeitslos sind, und viele Aufträge wegbrechen. Hinderer: "Es ist besser, Arbeit zu finanzieren als Arbeitslosigkeit." Deshalb brauche die LAG Arbeit neue Impulse, um bestehende Programme neu zu befeuern.

Rainer Hinderer betont, dass keine erkämpften Arbeitsrechte durch Corona preisgegeben werden dürften, das Tariftreue -Gesetz ausgebaut werden müsse, Weiterbildung und Qualifizierung, Ausbau der Schulsozialarbeit gute Instrumente seien, um durch diese Krise zu kommen.

ZuhörerInnen konnten Fragen stellen über Facebook, Instagram oder www.rainer-hinderer.de - die Diskussion - erneut abrufbar auf der Homepage - macht deutlich: Der Einsatz für Arbeitsplätze in der Region geht weiter - die SPD ist am Ball! HSG